Tamara Tschikunova
Tamara Tschikunova (61 J.) gründete 2000 die Organisation „Mütter Usbekistans gegen Todesstrafe und Folter". In ihr sind Angehörige hingerichteter Personen zusammengeschlossen, die sich für die Abschaffung der Todesstrafe in Usbekistan und ganz Mittelasien einsetzen. Vor allem Tschikunovas unermüdlicher Öffentlichkeitsarbeit ist es zu verdanken, dass Usbekistan die Todesstrafe offiziell am 1. Januar 2008 abschaffte. Ein Jahr zuvor hatten auch schon Kirgisien und Turkmenistan die Todesstrafe für gesetzwidrig erklärt.
Jahrelang half Tschikunova Todeskandidaten und deren Familien, besorgte Rechtsbeistand und rettete auf diese Weise 21 zum Tode Verurteilte vor ihrer Hinrichtung. In dieser Zeit vernetzte sie sich mit anderen Organisationen wie der „Weltweiten Koalition gegen die Todesstrafe (WCADP), amnesty international und der Gemeinschaft Sant’Egidio in Rom. Damit trug sie wesentlich zur Sensibilisierung der nationalen und internationalen Meinung bei. Die Stadt Nürnberg würdigte sie 2005 für ihre Arbeit mit dem Menschenrechtspreis.
Heute kämpft Tamara Tschikunova für eine humane Rechtsprechung und für bessere Haftbedingungen der ehemaligen Todeskandidaten. Sie setzt sich für ein demokratisches Justizsystem ein, insbesondere für ein funktionierendes Verfassungsgericht.
Tamara Tschikunova hat ihren einzigen Sohn verloren. Dieser wurde am 10. Juli 2000 verurteilt und in einer geheimen Aktion vom Staat hingerichtet, ohne dass sie ihn noch einmal sehen durfte. Bis heute erhielt sie die Leiche ihres Sohnes nicht zur Bestattung und weiß nicht einmal, wo er „bestattet“ (verscharrt?) wurde.
Derzeit hält Tschikunova sich in Deutschland auf, um vor allem das deutsche Rechtssystem zu studieren.