Ort und Landschaft

Eine literarische, natur- und religionsphilosophische Tagung

in Ronda (Andalusien),

4.-7. Oktober 2007

Ronda
Ronda ist ein Ort im andalusischen Bergland (Provinz Málaga / Spanien). Die kleine Stadt ist nicht nur berühmt, weil sich dort die weltweit älteste Stierkampfarena befindet und sie Aufenthaltsort von Künstlern wie Rainer Maria Rilke und Ernest Hemingway war. Jeden Besucher fasziniert zuerst die landschaftliche Lage des Ortes: Ronda liegt auf einer steil abfallenden Felsplatte, die sich über dem Abgrund des „Tajo“ erhebt. Aus der schreckenerregenden Tiefe dieser Felsschlucht geht die Schönheit, Helle, Weite und Erhabenheit der umliegenden Landschaft mit ihren Bergen, Ebenen und Tälern hervor.
Siehe auch Publikationen, Luise Rinser und Ronda.
„Ort und Landschaft“ in Religion, Philosophie, Dichtung und Kunst
Im Ausgang von dieser Landschaftserfahrung dient die Tagung dem Versuch, das Phänomen des ‚Ortes‘ philosophisch und kulturwissenschaftlich zu erhellen. Dabei sollen nicht nur bereits vorhandene Thematisierungen auf ihre Grundstrukturen und Möglichkeiten hin untersucht, sondern durchaus auch neue Deutungsansätze entwickelt werden. Diese innovative Zielsetzung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Phänomene von ‚Ort und Landschaft‘ in der Philosophie und den Wissenschaften bisher kaum ihrer Bedeutung für das (menschliche) Sein entsprechend gewürdigt worden sind. Das Schwergewicht, das die in der Geistesgeschichte dominierenden philosophischen Systeme von Platonismus und Idealismus auf das intellektuelle Sein (des Menschen) legten, verhinderte es, dass die mit der Leiblichkeit zusammenhängenden Dimensionen des (menschlichen) Seins, wie die Zeit und der Raum, in ihrer wesentlichen Bedeutung erkannt und der philosophischen Reflexion zugrunde gelegt wurden. Während die Zeitlichkeit des Seins spätestens seit Heidegger („Sein und Zeit“, 1927) verstärkt ins philosophische Bewusstsein tritt, wurde es bisher kaum entsprechend wahrgenommen, dass Sein wesentlich ‚An-einem-Ort-Sein‘ ist. Die (gegenwärtige) Krise und Selbstentfremdung des Menschen kann nur überwunden werden, wenn sich der Mensch auf diese ursprüngliche Bestimmung des Seins zurückbesinnt und sich wieder in sie einfügt. Dazu möchte die Tagung auf verschiedenen Ebenen Anregungen geben. Folgende Themenbereiche sollen behandelt werden:
  • (Früh-)Formen von religiöser Landschaftserfahrung
  • Philosophisch-wissenschaftliche Theorien von ‚Ort und Landschaft
  • Tiefenphänomenologie‘ der Landschaft
  • Dichterische und künstlerische Landschaftserfahrung
Veröffentlichung
Die Inhalte dieser Tagung wurden veröffentlicht im Kohlhammer Verlag in Band 5 der Reihe AUFGANG. Jahrbuch für Denken, Dichten, Musik.